Donnerstag, 09.04.2026

Kleine Form, grosse Wirkung

Dreissig Mal täglich greift eine Hand durchschnittlich zur Türklinke und bemerkt es kaum. In der modernen Architektur ist der Türgriff oft so schlicht, dass er fast unsichtbar wird. Doch das war nicht immer so. Historisch betrachtet war der Türgriff weit mehr als ein funktionales Werkzeug. Er galt als der «Handschlag des Hauses» und wurde als echtes Kunstwerk verstanden. In Epochen wie dem Barock oder dem Jugendstil erzählten aufwendig verzierte Beschläge vom Status der Bewohner. Mit dem Bauhaus änderte sich dies radikal und die reine Form trat in den Vordergrund.
Heute erleben wir eine Renaissance der bewussten Gestaltung. Dabei geht es nicht um lauten Prunk, sondern um leisen Luxus und haptische Erlebnisse. Hersteller wie Formani aus den Niederlanden zeigen eindrucksvoll, wie Architektur in einen Griff übersetzt werden kann. Ihre skulpturalen Entwürfe beweisen, dass ein Türgriff auch heute ein kleines Kunstwerk sein kann, was regelmässig mit internationalen Designpreisen gewürdigt wird. Ein Pionier dieser Verbindung von Handwerk und Architektur ist das Traditionshaus Olivari. Das Unternehmen pflegt eine beeindruckende Historie an Kooperationen mit Design-Ikonen wie Zaha Hadid oder Jean Nouvel. Ihre Entwürfe wirken wie kleine Skulpturen aus massivem Messing. Solche Details machen keinen Lärm, aber sie prägen die Qualität eines Raumes spürbar. Ein Türgriff ist ein kleines Element mit grosser Wirkung – jeden Tag, dreissig Mal.